"Nicht nur positive Effekte"
Interview mit Markus Scheffler (GRÜNE) zu einem Autohof auf Gneisenau
Westfälische Rundschau, 17. Dezember 2009, Alexander Ebert
Derne. Einen Autohof auf dem Gelände Gneisenau lehnen die GRÜNEN in der Bezirksvertretung Scharnhorst ab. Ein solches Angebot bringe gerade in der Nähe von Wohnbebauung reichlich Belästigungen für die Anwohner mit sich, sagt Vize-Bezirksbürgermeister Markus Scheffler (GRÜNE) im Dialog mit der Westfälischen Rundschau.
Die GRÜNEN haben sich in der jüngsten Sitzung der Bezirksvertretung Scharnhorst gegen einen Autohof auf Gneisenau ausgesprochen. Warum?
Als in der Vergangenheit der Bebauungsplan für Gneisenau in der Bezirksvertretung behandelt wurde, hat sich die Bezirkungsvertretung Scharnhorst auf Anregung der GRÜNEN mehrheitlich für die Formulierung "Ansiedlung von Logistikgewerbe" und für die Streichung der expliziten Ansiedlung eines Autohofes ausgesprochen. Zu diesem Zeitpunkt wurde aus verschiedenen Gründen die Ansiedlung eines Autohofes auf dem Gelände der ehemaligen Westfalenhütte favorisiert.
Was genau befürchten Sie?
Ein Autohof bringt nicht nur positive Effekte wie Arbeitsplätze und Stellplätze für Lkw. Er bringt auch bis zu 24 Stunden Fahrzeugbewegungen, Geräusch- und Lichtemissionen sowie im ungünstgsten Fall Vermüllung und Ansiedlung von Gewerbe aus der Schattenwirtschaft. In der Nähe von Wohnbebauung sollten besonders die zu erwartenden Emissionen geprüft werden.
Was schlagen Sie als Alternative vor?
Nachschauen, ob es geeignetere Standorte gibt, weiter entfernt von der Wohnbebauung.
Wo sollen die Brummifahrer denn hin? Der Parkdruck gerade für Lkw-Fahrer ist ja enorm hoch, viele müssen pünktlich ("just in time") anliefern. Was wollen die GRÜNEN den Brummis alternativ anbieten?
Sie haben völlig recht, bei Ansiedlung von Gewerbe darf man diesen Aspekt nicht vergessen. Die Park- und Rastmöglichkeiten sollten sich möglichst in der Nähe der Gewerbeansiedlungen befinden, auch um zusätzliche Verkehre durch das Pendeln der Lkw zwischen der Zieladresse und dem Rastplatz zu vermeiden. Auch insofern sind entsprechende Parkflächen auf der Westfalenhütte vorteilhaft, hier sind größere Ansiedlungen als auf der Gneisenau Fläche zu erwarten. Es muss natürlich neben der Einplanung von Parkflächen auch an die Bedürfnisse der Fahrer gedacht werden.
Kein Autohof birgt die Gefahr, dass sich das Parken in Wohngebiete verlagert/verschlimmert. Wie wollen Sie das Problem angehen?
Wie gesagt, es geht nicht darum, einen Autohof grundsätzlich zu verhindern sondern den am besten geeigneten Standort zu finden. Wenn mögliche Investoren einen Standort auf der Westfalenhütte ausschließen, kann man über Alternativen nachdenken, um für den Fahrern, die ihre Fahrzeuge dort abstellen, eine "Nahversorgung" anzubieten. Es muss ja nicht immer gleich die "große Lösung" sein.
Westfälische Rundschau, 17. Dezember 2009
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